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Olivier Bremer (29): "Aktivität ist ein Indiz für Zuverlässigkeit" (Foto: BlaBlaCar)

Olivier Bremer (29): "Aktivität ist ein Indiz für Zuverlässigkeit" (Foto: BlaBlaCar)

BlaBlaCar-Chef Olivier Bremer“Vertrauen im Netz entsteht, wenn alle etwas Preis geben”

Die Macher von BlaBlaCar haben ein Modell entwickelt, das die Voraussetzungen für das Vertrauen zwischen Fremden im Internet definiert. Deutschland-Chef Olivier Bremer (29) über persönliche Daten, Bewertungssysteme und moderierende Plattformen.

Olivier Bremer, würden Sie mit mir sofort in einem Auto von München nach Hamburg fahren? Jetzt gleich? Kommt drauf an, was ich für Informationen über Sie habe. Wenn ich nichts über Sie weiß, dann würden Sie auch nicht in das D.R.E.A.M.S-Profil reinpassen. Dabei geht es darum, dass eine Community im Internet Mittel bereitstellt, die Vertrauen schaffen.

D.R.E.A.M.S. ist ein Modell, das die Vorausetzungen für Vertrauensbildung zwischen Fremden im Internet definiert. D steht für Declared: Nutzer sollen ihre Daten preisgeben – und ihre Vorlieben. Warum ist es wichtig, sein privates Ich zu kommunizieren? Bei BlaBlaCar verbringen Menschen mehrere Stunden gemeinsam im Auto. Deswegen sollten alle Mitreisenden wissen, welche Interessen die Mitfahrer haben. Außerdem funktioniert eine Community nur, wenn alle etwas Preis geben. So entsteht Vertrauen.

R – Rated. Mitglieder bewerten Mitglieder. Warum missbrauchen Nutzer Bewertungssysteme in der Regel nicht? Das würde ich nicht sagen. Es gibt Fälle, wo das missbraucht wird. Ein gutes Bewertungssystem erkennt und vermeidet das. Bei uns müssen sie die Telefonnummer des anderen haben, um ihn zu bewerten. Außerdem müssen sie selbst angemeldet sein, und wir haben vorher ihre Handynummer verifziert. Außerdem geht es um die Menge an Bewertungen. Wenn einer 50 gute Bewertungen hat, denke ich eher: Da sind ein paar echte Bewerter dabei.

E – Engadged. Sich gemeinsam auf etwas einlassen. Warum würde das nicht ohne vertrauenswürdige dritte Partei, hier: die Webseitenbetreiber, funktionieren? Das wäre wie ein Schwarzes Brett im Supermarkt. Da fehlt der Vermittler, der Sicherheit garantiert: Dass die Bewertungen echt, Mitglieder auch angemeldet, die Infos überprüft worden sind. So entsteht Vertrauen – auch durch die Marke der Drittpartei, deren Erfahrung miteinfließt.

A – Active: Betreiber von Share Economy Seiten sollten festhalten,  wie schnell Nutzer auf andere reagieren. Warum stimmt die Faustregel “Wer schneller antwortet, dem vertraue ich eher”? Wenn jemand schnell antwortet, vor einer Stunde zum letzten Mal Online war, zeigt das eine Aktivität. Aktivität ist ein Indiz für Zuverlässigkeit, für einen Poweruser, der sich viel mit der Webseite beschäftigt. Wenn es eine Verspätung gibt, wird er wohl auch die Mitfahrer schneller informieren.

M – Moderated. Plattformbetreiber überprüfen Daten plus Inhalte der Nutzer. Ab wann löscht BlaBlaCar Inhalte? Sehr selten. Die Inhalte werden erst dann veröffentlich, wenn wir sie freischalten. Wir lehnen ab, wenn jemand versehentlich seine Telefonnummer auf der Webseite veröffentlich, um die Daten der Nutzer zu schützen. Natürlich auch bei bei Beleidigung. Und wir fischen gewerbliche Fahrer ohne Lizenz, ohne Versicherung, heraus, die mehrmals am Tag in Kleinbussen Leute mitnehmen. Das passiert bei unmoderierten Plattformen natürlich öfter. Wir versuchen, solche Schwarzen Schafe zu erkennen, bevor sie ihre Fahrt antreten.

     

3 Gedanken zu „“Vertrauen im Netz entsteht, wenn alle etwas Preis geben”

    1. Maximilian Gaub Artikelautor

      Rang: Author

      Lieber Michel,

      danke für den Hinweis. Das “S” steht “Social”. Die Verbindung zu Sozialen Netzwerken schafft eine weitere Vertrauensinstanz. “Die digitale Existenz eines Individuums bei Facebook, Twitter, LinkedIn etc. ist ein weiterer Hinweis für dessen reale Existenz”, sagen die D.R.E.A.M.S.-Erfinder.

      Grüße, Maximilian

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