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Im Interview: Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurf (Foto: Ethical Fashion Show)

Im Interview: Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurf (Foto: Ethical Fashion Show)

Olaf Schmidt – Ethical Fashion Show Berlin“Die Menschen wollen keine Fast Fashion mehr”

Grüne Mode ist so begehrt wie noch nie. Zum Start der vierten Ethical Fashion Show Berlin sprachen wir mit Olaf Schmidt über grüne Mode, soziale Standards und Leasing-Jeans.

Vom 2. bis zum 4. Juli 2013 findet die vierte Ethical Fashion Show Berlin parallel zur Fashion Week statt – mit 74 Ausstellern und einer vergrößerten Ausstellungsfläche im ewerk. Ausgerichtet wird das Event, bei dem es ausschließlich grüne Mode zu sehen gibt, von der Messe Frankfurt. Im Lets-Share-Interview erzählt Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt, warum die Ethical Fahion Show Berlin so wichtig ist.

Herr Schmidt, warum brauchen wir eigentlich grüne Mode? Weil die Konsumenten immer öfter Produkte kritisch hinterfragen. Besonders die Textilindustrie ist sehr global. Es werden sehr viele Ressourcen benutzt: Energie, Wasser. Und nicht zuletzt legt der Konsument immer mehr Wert darauf, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt wurden.

Green Shopping bei Lets Share: Aktuelle Bio-Shirts und mehr von Dawanda

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Aber hat grüne Mode nicht noch immer dieses Öko-Image? Nein, das was Sie auf der Ethical Fashion Show finden, hat nichts mehr mit formlosen Modellen zu tun, die aussehen, als wären sie schon etliche Male gewaschen worden.  Auch grüne Mode muss gut aussehen, sonst wird sie nicht gekauft.

Neben der Ethical Fashion Show Berlin veranstallten Sie auch das Event Green Showroom, wo nachhaltig produzierte High-Fashion präsentiert wird. Warum braucht es zwei verschiedene Veranstaltungen?

Perfekte Kulisse: das ewerk in Berlin (Foto: Ethical Fashion Show Berlin)

Perfekte Kulisse: das ewerk in Berlin (Foto: Ethical Fashion Show Berlin)

Weil hier tatsächlich zwei unterschiedliche Dinge gezeigt werde, die wir nicht durcheinander bringen wollen. Hier steht Streetwear gegen avantgardistische High-Fashion. Das zeigt sich schon an den Locations. Der Greenshowroom findet im Hotel Adlon Kempinski statt, hier zeigen 29 Aussteller High-Fashion. Wir haben zum Beispiel Katharina Kaiser, Myuli oder Issie Collection dabei. Und auf der anderen Seite haben wir die Ethical Fashion Show, die Street- und Casualwear präsentiert. Hier zeigt wir Mode von Alma+Lovis, Format oder Sey Jeans. Wir haben 74 Aussteller – doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren. Und das ewerk ist einfach eine perfekte und authentische Kulisse.

Wie stellen Sie denn sicher, dass hier nur nachhaltig produzierte Mode auf die Ausstellungsfläche kommt? Das ist tatsächlich etwas kompliziert, weil es einfach noch kein einheitliches Siegel gibt, das alles abdeckt und global gültig ist. Aber wir haben einen Experten im Team, der sämtliche Zertifikate der Aussteller prüft.

Glauben Sie denn, dass ein Umdenken bei den Käufern stattfindet?

Trendy und nachhaltig: Besucher der vorherigen Ethical Fashion Show Berlin. (Foto: Ethical Fashion Show Berlin)

Trendy und nachhaltig: Besucher der vorherigen Ethical Fashion Show Berlin. (Foto: Ethical Fashion Show Berlin)

Absolut! In den letzten Fünf Jahren ist mir aufgefallen, dass eine Frage immer häufiger gestellt wird: Wo kommt das her? Besonders nach den ganzen Skandale in Asien, die zeigen unter welch katastrophalen Bedingungen teilweise Kleidung produziert wird. Mode muss für viele Menschen sozial verträglich sein. Aber ich denke, dass sich auch die Mode selbst verändert hat. Grüne Mode ist Mode. Mit trendigen Schnitten, modernen Farben und hochwertigen Materialien.

Auch die Share Economy zeigt ja, dass bei den Konsumenten ein Umdenken stattfindet, wie könnte sich das auf die Mode auswirken? Viele Menschen haben einfach keine Lust mehr auf Fast Fashion, also Kleidung die kurz getragen und dann weggeworfen wird. Soziale Aspekte werden wichtiger, aber auch eine sehr gute Qualität der Produkte. Was ja auch heißt, dass die Sachen länger halten. Ich denke, dass die Share Economy sich definitiv in der Modewelt bemerkbar macht. Es gibt ja schon interessante Entwicklungen. Wie zum Beispiel Kleidertauschpartys oder Jeans die man leasen kann.

Wird sich das durchsetzten? Das ist wahrscheinlich ein Frage der Zeit. Bio-Lebensmittel waren ja noch vor wenigen Jahren außergewöhnlich. Und heute? Gibt es Bio-Produkte in jedem Discounter. Es wird als normal angesehen und das macht es erfolgreich.

74 Aussteller sind dieses Mal bei der Ethical Fashion Show Berlin zu sehen. (Foto: Ethical Fashion Show)

74 Aussteller sind dieses Mal bei der Ethical Fashion Show Berlin zu sehen. (Foto: Ethical Fashion Show Berlin)

 

     

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