Gemüseretter Lea Brumsack (links) und Tanja Krakowski verwerten originell gewachsenes Gemüse, das der Handel nicht akzeptiert. (Foto: ARD)

Gemüseretter Lea Brumsack (links) und Tanja Krakowski verwerten originell gewachsenes Gemüse, das der Handel nicht akzeptiert. (Foto: ARD)

Dokumentarfilm Die Essensretter“Das meiste wird weggeworfen, bevor es Verbraucher erreicht”

Valentin Thurn kämpft gegen Lebensmittelverschwendung – via Plattform foodsharing.de und Dokumentarfilmen. Am Montag, 13. Mai, strahlt die ARD “Die Essensretter” aus. Mit uns sprach er unter anderem über die Gemüseretterinnen von Culinary Misfits.

Ihr Dokumentarfilm „Die Essensretter“ zeigt Lösungsansätze gegen den wachsenden Lebensmittelmüllberg. Welche zum Beispiel? Es gibt einen Hersteller in Holland, der für die Saftherstellung nur das Drittel der Ernte an Karotten verwendet, das zu klein oder zu groß gewachsen ist. Ein weiteres Unternehmen verarbeitet Supermarktreste zu Fertigessen. Und wir stellen die Frage, warum es nicht noch viele mehr machen, warum es so schwierig sei. Das sind doch enorme Warenwerte, die vernichtet werden. Aber da ändert sich seit zwei Jahren was. es gibt so etwas wie „mehr Wertschätzung des Mülls“. Unser Kinofilm „Taste the Waste“ hat sicherlich dazu beigetragen, da er in 18 Ländern ausgestrahlt wurde.

Foodsharing.de-Gründer und Filmemacher Valentin Thurn

Foodsharing.de-Gründer und Filmemacher Valentin Thurn

Welches Land ist in Europa Vorreiter? England. Die englischen Müllkippen quellen über, der Abfall wird sogar gemischt entsorgt – was in Deutschland längst Vergangenheit ist. Da hat die EU gedroht: “Wenn ihr nicht bald damit aufhört, so viel Müll zu produzieren, gibt’s Strafzahlungen!” Also wurde das Land mit Kampagnen überzogen, die so gut waren, dass sie Verbrauchern wie Unternehmen das Gefühl gegeben haben: “Wir sitzen alle im gleichen Boot.” Und das ist, glaube ich, der richtige Dreh bei dieser Thematik. Nur gemeinsam kann man etwas ändern.

Und wo steht Deutschland in der Rangliste? Eher hinten! Die Politik hat bis jetzt weitgehend versagt.

Aber Bundesernährungsministerin Ilse Aigner hat doch gesagt, dass sie bis 2020 erreichen will, dass in Deutschland nur noch halb so viele Lebensmittel weggeworfen werden wie heute … Sobald Ilse Aigner einen Schritt macht, den die Lobby aus Industrie und Handel als Problem sieht, stoppt sie. Sie sagte in einem Interview, dass Händler nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum die Produkte noch verkaufen können, da sie noch gut sind. Das hat sie nie wiederholt, weil sie eins auf den Deckel bekommen hat. Übrigens hat man bei einer Studie des Ministeriums über das Wegwerfen von Lebensmitteln den Forschern gesagt: “Lasst die Landwirtschaft da raus!” Am Ende hieß es nur: “Für den Müllberg ist zu 61% der Verbraucher verantwortlich.” In allen Nachbarländern kommt man auf 40 bis 45 Prozent, weil dort der riesige Bereich “Landwirtschaft” mit analysiert wird. Aber Deutschland wollte nicht zugeben, dass das meiste weggeworfen wird, bevor es die Verbraucher erreicht.

Das klingt ja ganz schön pessimistisch … Nein, wir haben definitiv auch schöne Beispiele in Deutschland gefunden. Mit „Taste the Waste“ und öffentlichen Aktionen mit „Slowfood“ oder „Brot für die Welt“ haben wir viele junge Menschen dazu inspiriert, die Thematik mit einem Startup Unternehmen anzugehen und sogar neue Existenzen zu gründen. „Culinary Misfits“ ist da ein sehr schönes Beispiel. Aber die Unternehmen mit den innovativsten Lösungen haben wir außerhalb des Landes gefunden, wobei die witzigerweise oft in deutscher Hand sind.

Wer wird den Film denn am 13. Mai anschauen? Das Thema lebensmittelverschwendung geht alle etwas an. Das war schon bei „Taste the Waste“  so, da waren die Kinobesitzer baff: Es kamen ganz junge und ganz alte Menschen. Die haben sonst Zielgruppen, aber bem Thema „Essen wegwerfen“ lösen sich die Zielgruppen auf. Das hat bewiesen, wie wichtig dieses Thema ist. Übrigens: Wer ihn am 13.ten Mai verpasst, kann ihn ab dem 14.ten Mai in der ARD-Mediathek anschauen.

     

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