Branche: Skills, Tests
Kickstarter.com: Künstler und Kreative finanzieren ihre Projekte. (Foto: See-ming Lee, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Kickstarter.com: Künstler und Kreative finanzieren ihre Projekte. (Foto: See-ming Lee, Flickr, CC BY-SA 2.0)

Kickstarter.comWiege des Crowdfunding

Ein Museum für unsichtbare Kunst oder handgemachte Teddybären: Auf Kickstarter.com sammeln Kulturschaffende Geld für Projekte. Doch nicht jeder darf mitmachen.

Darum geht’s: Bei Kickstarter.com stellen Künstler, Erfinder und Designer ihre Projekte vor. User unterstützen sie mit kleinen und großen Beiträgen. Dafür bekommen sie Belohnungen.

Das bringt es euch: Ihr habt eine tolle Idee, zum Beispiel für einen Roman oder einen Film – aber euch fehlt das Geld? Wer sein Projekt spannend präsentiert, kann in kurzer Zeit mehrere Tausend Euro sammeln. Ihr findet eine Ausstellung über ausgeflippte japanische Comics viel interessanter als die Barock-Sammlung im Stadtmuseum? Dann lernt ihr hier jede Menge neue Projekte kennen und könnt dabei noch unabhängige Künstler fördern.

Das sagen wir: Kickstarter macht möglich, was vorher undenkbar war: Privatleute können richtig viel Geld sammeln, um eine kreative Vision Wirklichkeit werden zu lassen (Manchmal auch moralisch fragwürdige, wie Blogger Cashy berichtete). Voraussetzung: Das Projekt stammt aus den Bereichen Kunst, Tanz, Design, Mode, Film, Essen, Spiele, Musik, Fotografie, Publishing, Technologie. Und am Ende kommt ein klares Ergebnis heraus – zum Beispiel ein Produkt oder eine Veranstaltung.

Kickstarter.de: International bekannt, wenig deutsche Projekte (Screenshot vom 02.04 2013)

Kickstarter.de: International bekannt, wenig deutsche Projekte (Screenshot vom 02.04 2013)

Kickstarter ist ein Sprungbrett für unabhängige Kreative. Die Vorhaben sind originell, oft auch verrückt. Als weltweit bekannteste Plattform für Crowdfunding hat Kickstarter längst einen professionellen und durchkomponierten Internet-Auftritt. Die Seite ist aufgeräumt und klar, jedes Projekt wird im gleichen Design präsentiert.
Das Stöbern nach Angeboten fanden wir anstrengend, da es neben den einzelnen Genres noch unübersichtliche Unterteilungen wie „Besonders beliebt“, „vom Team ausgesucht“ oder „am Höchsten gefördert“ gibt. Auf den Projektseiten sind die wichtigen Informationen erkennbar: Worum geht es? Wie viel Geld wird gesammelt? Wie viel fehlt noch? Der Clou: Förderer tun nicht nur Gutes, sie bekommen auch etwas zurück. Je nach Höhe der Spende bieten die Projektmacher eine Belohnung an. Bei 20 Euro kann das zum Beispiel ein Filmposter sein, bei mehreren Hundert Euro eine Komparsenrolle. Weil Kickstarter so bekannt ist, werden hier die meisten Projekte angeboten, die Auswahl ist riesig. Die weltweit höchsten Crowdfunding-Summen kommen über diese Plattform zustande. Kickstarter behält eine Provision in Höhe von fünf Prozent der gesamten Fördersumme ein. Bezahlt wird über Amazon Payment, das ebenfalls fünf Prozent kassiert.

Probleme: Nicht in Deutschland, selten Belohnungen, unliebsame Projekte unsichtbar

In Deutschland könnt ihr leider noch nicht selbst Projekte starten. Dazu muss man einen dauerhaften Wohnsitz in den USA oder Großbritannien haben. Entsprechend klein ist auch die Zahl deutscher Vorhaben bei Kickstarter. In Berlin sind es schon ein paar Dutzend, vereinzelt sitzen Crowdfunder auch in anderen Großstädten. Kickstarter übernimmt keine Garantien dafür, dass Projekte auch wirklich umgesetzt werden. Zwar wird das Geld der User nur abgebucht, wenn die Fördersumme erreicht ist. Danach müssen die Unterstützer aber auf die Zuverlässigkeit der Projektführer vertrauen. Oft werden sie enttäuscht: Nur ein Viertel der Belohnungen werden laut einer Studie der Universität Pennsylvania zum versprochenen Zeitpunkt ausgeliefert. Außerdem machte Kickstarter Negativ-Schlagzeilen, weil das Unternehmen erfolglose Projekte absichtlich verstecken soll, wie die ZEIT berichtete. Bei Google sind sie aufgrund eines zusätzlichen Teils im HTML-Code nicht auffindbar.

Das antworten die Macher: Kickstarter hat es abgelehnt, sich zu unserem Test zu äußern.

Das sagen die User: Volker Schaner, Filmemacher: „Unsere Kampagne war ein voller Erfolg, nicht nur weil wir unser Ziel erreicht haben, sondern weil wir eine riesige Öffentlichkeit aktivieren konnten. Viele entscheidende Kontakte sind erst durch die Kickstarter-Kampagne auf uns aufmerksam geworden. Ich halte das für wesentlich wertvoller als die erzielte Summe.“

Note: 2.6

+Design
+Angebot
-Navigation
-Zugangsbeschränkt
-Transparenz
-Risiko

Style :
2 - Entzückend
Transparenz :
3 - Ersichtlich
Nutzerfreundlichkeit :
4 - Verwirrend
Sparfaktor :
0 - Nicht bewertet
Aktivitätsgrad :
1 - Dynamisch
Vernetzung :
3 - Aufgeschlossen

Fakten

Gründung: 2008

Apps: iOS

Preisspanne: ab ca. 70 Cent bis mehrere Tausend Euro

Ort: Weltweit

Anmeldung: Email, Facebook

Sprache: Englisch

Social Media:

     

Ein Gedanke zu „Wiege des Crowdfunding

  1. MariaMue

    Rang: Star-Co-Worker

    Die Kolbhalle in Köln-Ehrenfeld, die sich selbst alles “letzte freie und unkommerzielle Kunst und Kultureinrichtung” Köln bezeichnet, und das Autonome Zentrum in Köln-Kalk müssen – besonders im letzteren Fall anhand viel Durchhaltevermögen – mit allen Mitteln um ihr Dasein kämpfen.

    Diese beiden Beispiele betonen besonders den (unverständlich) schwierigen Stand unkommerzieller Projekte. Doch auch etablierte Einrichtinge wie die Kölner Philharmonie sind nicht vor dem Kulturrabbau gefeit: man beachte zum Beispiel folgenden wirklich traurigen Vorschlag zur Haushaltskonsolidierung der Stadt Köln: http://www.stadt-koeln.de/1/stadtfinanzen/einsparungen/12089/ ).

    Der Kultursektor bekommt immer weniger Unterstützung, das ist nichts Neues.
    Kultur ist unwichtig, kreative Räume, wie es scheint, beinah unerwünscht.

    Umso besser, dass die Share Economy es Künstlern und Kulturschaffenden möglich macht, bei Plattformen wie KICKSTARTER oder INDIEGOGO Unterstützer zu suchen und zu finden. Mein persönliches Lieblingsprojekt bei Indiegogo: Ein Zombiefilm, der jedem der 100 Pfund spendet, eine Komparsenrolle als Zombie beim Dreh in London verspricht (http://www.indiegogo.com/projects/super-brainy-zombies-ii-return-of-the-law). Lieber wäre mir natürlich gewesen, alle dürfen ohne Spende dabei sein, aber ich verstehe, dass ein Film viel Geld und Aufwand fordert – und damit man für einen Indiefilm tasächlich Bares spendet, ist sicher ein Anreiz vonnöten.

    Kreativität braucht Räume und Helfer, und meistens leider auch Geld. Gut, dass wir auf das Kölner Kulturdezernat sch*&%$n können, durch kreative Aktionen um Kolbhalle und AZ kämpfen, und gleichzeitig im Internet wirklich coolen kreativen Kram, an dem wir auch teilhaben dürfen, unterstützen können.

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