Markus Heingärtner: "Erleben und Verfügbarkeit steht heute im Vordergrund." (Foto: M. Gaub)

Markus Heingärtner: "Erleben und Verfügbarkeit steht heute im Vordergrund." (Foto: M. Gaub)

Markus Heingärtner (usetwice.at)“Weil die junge Generation dem Internet vertraut”

Erleben statt Besitzen, Nachbarn kennen lernen, Geld sparen: Markus Heingärtner, Macher der ersten österreichischen Leihplattform usetwice.at, über Erfolgsgründe der Share Economy.

Markus Heingärtner (geboren 1973) studierte Wirtschaft, arbeitete bei Unternehmensberatungen, zuletzt beim Management Club Österreich. “Irgendwann suchte ich eine neue Herausforderung”, erzählt er uns im Wiener Szenerestaurant Glascis Beisl. Also gründete er mit seinem Bruder und einem Freund Österreichs erste Vermietplattform für Dinge, seit Januar 2013 ist sie Online (zu unserem Test von usetwice.at). Wir haben mit ihm über seine Visionen zur Share Economy gesprochen.

Markus Heingärtner, Sie besitzen weder Auto noch Ski. Wie kommen Sie im Winter zum Berg und wieder runter? An jeder Talstation existiert ein Skiverleih. Und hin komme ich per Car-Sharing via autoshare.at oder carsharing247.com.

Aktuell erblicken hunderte Start-ups in den USA das Licht der Welt. Forbes schätzt, dass diese 2013 3,5 Milliarden Dollar umsetzen. Inklusive Wachstumsraten bis zu 25 Prozent. Warum ist die Share Economy nicht nur ein Hype? Weil eine Generation heranwächst, die kaum Mangel kennen gelernt hat. Für die Eigentum Mittel zum Zweck ist, Erleben und Verfügbarkeit steht bei diesen Postmaterialisten im Vordergrund. Zudem wächst die Wirtschaft  nicht mehr wie früher. In diesem Zusammenhang mache ich mir Gedanken: Mit was fülle ich meinen Wohnraum an, der nun knapper ist? Für was gebe ich Geld aus, das nicht in großen Mengen da ist? Und drittens haben alle Jüngeren die Erfahrung gemacht, das Teilen wunderbar funktioniert.

Jeder Österreicher besitzt laut eBay-Studie 54 Gegenstände, die er maximal selten benutzt. Warum ist der Trend der Share Economy die logische Folge der Überflussgesellschaft? Es ist eher die logische Folge des Marktplatz Internet. Es ist jetzt so einfach zu wissen, was einer meiner vielen Nachbarn ausleiht. Das zweite ist, dass wir bewusster leben, sparsamer mit Ressourcen umgehen. Und es ist praktisch, es spart Geld.

Markus Heingärtner: “Es geht auch um Freundschaften”

Reputation wird ein Schlüssel zum erfolgreichen Tauschhandel. Macht uns die Share Economy zu besseren Menschen? Dadurch, dass Private an Private Dinge leihen, schenken, sich treffen, wird eine Ressource aufgeladen, die in der Gesellschaft wichtig ist: Vertrauen. Gerade im urbanen Raum ist das wichtig. Da kenne ich meinen Nachbarn meist kaum. Indem wir nicht mehr in ein Geschäft gehen, etwas kaufen und nach Hause gehen, sondern zwischen Privaten Transaktionen stattfinden, können auch Freundschaften überbleiben. Und das macht uns vielleicht nicht zu besseren Menschen. Aber die gesamte Gesellschaft profitiert.

Warum wird dieser Hype nicht ein kurzer Trend bleiben? Weil die junge Generation dem Internet vertraut.

     

2 Gedanken zu „“Weil die junge Generation dem Internet vertraut”

  1. Agnelia

    Rang: Share-Starlett

    Sehr schade, dass in Österreich bzw. speziell in Vorarlberg und in der östlichen Schweiz noch nicht mehr dieses Share-Gedanken durchgekommen ist. Hier lebt es sich leider immer noch ganz nach dem Gedanken “Schaffa, Schaffa, Hüsle boua” (also Arbeiten um ein Haus zu bauen) und arbeiten, um sich alles selber kaufen zu können.
    Leider, aber vielleicht kann man (frau) sich ja mal mit Herrn Heingärtner zusammen tun und auch in diesem Land die Leute zum Sharen bewegen.

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