Branche: Mobility, News
Wissenschaftler Stephan Rammler: "Wie beim Car Sharing, entsteht durch Bike Sharing eine größere Nutzungsvielfalt" (Foto: Nicolas Uphaus)

Wissenschaftler Stephan Rammler: "Wie beim Car Sharing, entsteht durch Bike Sharing eine größere Nutzungsvielfalt" (Foto: Nicolas Uphaus)

Mobilitätsforscher Stephan Rammler“Das Rad wird eines der wichtigsten Verkehrsmittel der urbanen Mobilität”

Nextbike,Callabike, Metropolraduhr: Sind Bike-Sharing-Plattformen nur ein kurzer Trend oder werden die Zweiräder die Autos verdrängen? Zukunfts- und Mobilitätsforscher Stephan Rammler hat uns geantwortet.

Stephan Rammler, Sie sind Professor für Transportation Design & Social Sciences an der HBK Braunschweig. Wann saßen Sie das letzte Mal auf einem fremden Fahrrad? Ich nutze regelmäßig Bike-Sharing-Angebote, erst letztes Wochenende habe ich mir darüber ein Rad gemietet.

Bike-Sharing feiert weltweit große Erfolge: Derzeit gibt es über 500 Programme in 49 Ländern, meldete das Earth Policy Institute. Ist das nur ein Trend oder hat das Prinzip “Rad teilen” tatsächlich eine Zukunft? Definitiv, das Fahrrad wird in Zukunft eines der wichtigsten Verkehrsmittel der urbanen Mobilität darstellen. Wir stehen gerade erst am Anfang dieser Entwicklung.

Können Sie uns das genauer erklären? Zum einen gibt es da die sogenannten E-Bikes und Pedelecs, die technologisch gesehen noch in den Kinderschuhen stecken. Je besser die Technologie, desto mehr Anwender. Und je mehr Anwender, desto größer das Angebot. Um das “geteilte Rad” wird so ein völlig neuer Servicebereich entstehen. Aber auch im Bereich der Infrastruktur wird sich einiges tun.

Welche Rolle spielt der Staat dabei? Die Politik muss einen geeigneten ordnungsrechtlichen Rahmen zu schaffen, die Dynamik der unternehmerischen Eigeninitiative erledigt dann den Rest. Wichtig sind natürlich alle Maßnahmen, die die Radkultur in der Stadt insgesamt verbessern: Verkehrsführung, Verkehrsregulierung und der fahrradgerechte Ausbau des Straßenraums. Kluge kommunalpolitische Entscheider können hier in den kommenden Jahrzehnten wichtige Punkte setzen – und sich so die Wählergunst jüngerer Bevölkerungsschichten sichern.

Worin sehen Sie die Vorteile des Bike-Sharings? Wie beim Car Sharing, entsteht durch Bike Sharing eine größere Nutzungsvielfalt: Ich muss nicht jedes Modell kaufen, sondern je nach Bedarf ausleihen. Durch die geringen Kosten, die durch die anteilige Nutzung entstehen, sparen die Kunden jede Menge Geld – ein wichtiger Erfolgsfaktor. Darüber hinaus werden neue Geschäftsfelder und Arbeitsplätze im Mobilitätsservicesektor geschaffen und die Attraktivität der urbanen Mobilität und damit auch der urbanen Lebenskultur gesteigert.

Worin bestehen die Nachteile? Es gibt keine!

Und was hat die größeren Erfolgschancen? Privates oder kommerzielles Bike-Sharing? Beide. Die kommerziellen Anbieter können schon jetzt hohe Qualitätsstandards garantieren. Auch wenn der Markt der privaten Anbieter noch nicht ganz so erfolgreich ist, entwickelt er sich doch zurzeit sehr dynamisch. Durch einen noch höheren Verbreitungsgrad der Share-Economy-Kultur und den entsprechenden Konsumroutinen, Mikrotechnologien, Endgeräten und Anwendungen insgesamt, wird auch der P2P-Bereich so richtig erst in Schwung kommen.

     

2 Gedanken zu „“Das Rad wird eines der wichtigsten Verkehrsmittel der urbanen Mobilität”

    1. Laslo Seyda Artikelautor

      Rang: Share-Superstar

      Liebe Kathrin,

      vielen Dank für dein Interesse an meinem Artikel.

      In der Tat ist Deutschland derzeit noch ohne Anbieter für privates Bike-Sharing. Das Problem: Fahrräder lassen sich nicht so leicht auf den jeweiligen Nutzer anpassen, Sattelhöhe und Lenkrad z. B. sind schwieriger zu verstellen als der Sitz in einem Auto.

      In den USA jedoch gibt es schon zwei vielversprechende Anbieter: Spinlister (heißt seit neuestem Liquid) und GoVelo. Beide Start-ups müssen noch etwas an ihren Konzepten feilen. So haftet Spinlister/Liquid bislang nur bei Schäden in den USA und Kanada. Außerdem muss jeder, der ein Fahrrad ausleihen will, auch selbst eins zur Verfügung stellen. Bei GoVelo sieht das Ganze aber von der Handhabung schon einmal ganz gut aus:

      Für Vielfahrer und Fahrrad-Fetischisten ist privates Bike-Sharing wohl weniger interessant. Wie aber auch unser Experte Stephan Rammler weiß, wird das Angebot mit der verbesserten Technologie und größeren Zahl der Anwender wachsen. Bis sich P2P-Bike-Sharing in Deutschland durchsetzt wird es bestimmt nicht mehr lange dauern. Vielleicht hast ja sogar Du Lust dir ein passendes Modell zu überlegen?

      Liebe Grüße, dein Laslo

Hinterlasse eine Antwort