Karin Frick, Forschungschefin GDI Institut: "Beim Teilen geht es nicht nur um den Nutzen." (Foto: GDI)

Karin Frick, Forschungschefin GDI Institut: "Beim Teilen geht es nicht nur um den Nutzen." (Foto: GDI)

Wissenschaftlerin erforscht TeilenTrend Sharing Economy – “Wir kaufen nur noch, wenn wir niemand finden, der mit uns teilt.”

Die Schweizer Trend-Forscherin Karin Frick hat das Phänomen Sharing Economy analysiert. Sie hat ermittelt, was wir gerne teilen. Ich habe mit ihr über das Warum gesprochen.

Sprechen wir über Sharing Econmy. Kleider teilen wir laut Ihrer Studie nicht besonders gerne … Besonders bei Sachen, die man direkt auf der Haut trägt, wie Unterwäsche, Socken oder Bettdecke, mag man keine Sachen aus zweiter Hand. Für hochwertige Designer-Kleider sieht das anders aus und es etablieren sich heute immer mehr Vintage-Läden, Tauschbörsen und Kleidertauschpartys. Für Fashionistas sind exklusive Vintage-Stücke heute ein must.

Sind wir durch das Teilen von Alltagsgütern wie eine Bohrmaschine zunehmend auf unsere Umgebung angewiesen? Man kann’s auch umgekehrt betrachten: Nur wer niemanden hat, der mit einem teilt, muss Sachen kaufen. Oder je mehr wir teilen, umso unabhängiger werden wir vom Markt. Beim Teilen geht’s nicht nur um den Nutzen sondern auch ums Soziale, um die Zusammengehörigkeit.

Infografik: Was wir teilen - und was nicht (Foto: GDI).

Was wir teilen: Erfahrungen gerne, Unterhosen nicht (Foto: GDI)

Inwiefern steckt hinter dem Foodsharing der Öko-Gedanke? Essen teilen ist immer schon die Norm. Allein essen die Ausnahme – und es ist ungesund. Der ökologische Gedanke von Foodsharing ist eine neue Erscheinung und hat erst in einer Überflussgesellschaft Sinn, wo Nahrungsmittel weggeworfen werden. Bei Foodsharing.de und ähnlichen Angeboten steht der Öko-Gedanke jedoch im Vordergrund – zu Recht.

Carsharing ist eines der am schnellsten wachsenden Sharing-Segmente. Besitzen in Zukunft nur noch wenige Menschen ein eigenes Auto? Der Trend geht vom Besitzen zum Nutzen. Es entsteht ein neues Mobilitäts-Ökosystem, wo das Verkehrsmittel (Auto, Fahrrad, Bahn, Carsharing-Auto) zur Peripherie des Smartphones wird. Es wird Apps geben, die uns einen optimalen Transport von von A nach B organisieren, inklusive Fuß- oder Radweg für die Erfüllung des täglichen Fitness-Programms. Das Fachwort dazu heisst multimodale Mobilität – ein Konzept in das die Mobilitätsindustrie zurzeit sehr viel Forschung und Entwicklung investiert. Die Ablösung des Individualverkehrs wird trotzdem noch lange brauchen, denn wer ein eigenes Auto hat, steigt nicht so schnell um. Zudem ist die Besiedlung auf dem Land total auf den Individualverkehr ausgerichtet ist.

Laut Ihrer Studie teilt man Wissen nicht so gerne wie Erfahrungen oder Ideen. Warum? Wissen und Erfahrungen hängen ja zusammen. Mit tollen Ideen und interessanten Erfahrungen kann man Ansehen gewinnen – und erzählt sie darum gerne weiter. In einer Wissensgesellschaft leben wir aber auch davon, dass wir Wissen auf dem Arbeitsmarkt verkaufen. Die Grenze ist vermutlich dort, wo der Spaß aufhört und die Wissensvermittlung zur Arbeit wird. Und diese Grenze verläuft bei allen Menschen unterschiedlich.

Was wäre das nächste Level bei der Entwicklung von Sharing Economy? Das nächste Level ist, dass wenn wir etwas Neues brauchen, zuerst fragen, wo wir das Gewünschte leihen, teilen oder tauschen können. Wir kaufen nur noch, wenn wir niemand finden, der mit uns teilt.

     

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