Branche: News
Ein Schluck Hoffnung to go: Der Suspended Coffee (Quelle: Flickr.com Herr Olsen)

Ein Schluck Hoffnung to go: Der Suspended Coffee (Quelle: Flickr.com Herr Olsen)

Suspended Coffee“Und einen zahle ich für die Armen”

„Einen Cappuccino zum Mitnehmen und einen Suspended, bitte.“: Diesen Satz wird man in deutschen Cafés bald öfter hören. Die Idee: Wer einen Euro zuviel hat, zahlt einen Kaffee extra – für den nächsten Bedürftigen.

Wie oft haben wir uns damit schon auseinander gesetzt: Gebe ich Obdachlosen auf der Straße einfach einen Euro? Und kommt das Geld überhaupt dort an, wo ich es möchte? In Italien gibt es eine Antwort darauf. Seit dem Ersten Weltkrieg ist es dort Tradition, in den „caffè sospeso“ zu investieren, den aufgeschobenen Kaffee. Ob als Ristretto, Lungo oder Americano, der tägliche Kaffee ist in Italien einfach ein menschliches Grundbedürfnis, getreu dem Motto: „Der Espresso des Italieners ist unantastbar.“ Deshalb ist es für viele Italiener selbstverständlich, den Euro zuviel im Portemonnaie für einen Kaffee zu spenden.

Weil es so leicht sein kann, das Gewissen zu beruhigen, ist dieser Trend nun auch nach Deutschland übergeschwappt. Auf facebook organisiert die Schülerin Saskia Rüdiger die deutsche Suspended-Coffee-Bewegung und versucht, Cafés zur Kaffeespende zu motivieren. Auch wenn sie bisher die Einzige ist, die diese Plattform betreibt, hat sie Erfolg. Das Hamburger Café Lohase hatte von der Aktion gehört und nicht lange gezögert. Es bietet großzügigen Besuchern die Möglichkeit, ein Getränk gutschreiben zu lassen, um es zu einem späteren Zeitpunkt an einen Bedürftigen weiterzugeben. Dieser kann dann einfach nachfragen, ob noch ein Aufgeschobener darauf wartet ausgeschenkt zu werden. Wem genau das Café den wärmenden Becher schließlich reicht, bleibt ihnen überlassen und für uns ein Geheimnis.

Das Schöne: Menschen wieder einladen, zu uns zu gehören

Aber vielleicht lohnt es sich ja, mal einen Extra-Euro dazulassen. Denn hier wissen wir, wo unser Geld landet. Nämlich als Kaffee in der Hand eines obdachlosen oder armen Menschen. Das Schöne daran ist, dass man diese Menschen wieder einlädt, an unserer Gesellschaft teilzuhaben. Mit ihnen zu teilen, was wir sonst nur mit engen Freunden und Familie teilen, zum Beispiel einen Cafébesuch. Im Café Lohase hat man dennoch die Erfahrung gemacht, dass Obdachlose für einen Kaffee nicht verweilen wollen. Und in den meisten Fällen lernen sich Spender und Empfänger auch nicht kennen. Deshalb bleibt es eine Aktion, die auf Vertrauen basiert und dem Gefühl etwas teilen zu wollen, auch unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Wir meinen, das ist eine gute Idee und ein neuer Trend, der noch in den Kinderschuhen steckt. Auf Facebook wird unter dem Stichwort „Suspended Coffee Germany“ schon fleißig die Werbetrommel gerührt. In fast 170 Cafés in 19 Ländern hat die Bewegung Fuß gefasst. Und täglich kommen neue hinzu. Saskia Rüdiger bleibt optimistisch: „Man kann mit einem Kaffee vielleicht nicht alle Probleme lösen, aber es ist ein Anfang und ein gutes Zeichen dafür, dass man niemanden aus dieser Gesellschaft ausschließt.“

     

Hinterlasse eine Antwort