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Share on the beach: 3. International OuiShare Summit in Barcelona Thomas Doennerbrink zentral im weißen T-Shirt. (Foto: Ouishare.net)

Share on the beach: 3. International OuiShare Summit in Barcelona Thomas Doennerbrink zentral im weißen T-Shirt. (Foto: Ouishare.net)

Thomas Doennebrink von Ouishare.net“Suchen die Menschen nach einem Sinn hinter den materiellen Dingen?”

Welches Land führt die Bewegung der Share Economy an? Welche Rolle spielt Deutschland? Und wo funktioniert es noch nicht? Thomas Doennebrink arbeitet für Ouishare in Deutschland. Die weltweite Community will das neue Phänomen des Teilens anschieben.

Am Anfang stand einer Facebook-Gruppe aus Paris, damals im Januar 2012. Heute zählt OuiShare über 400 Mitglieder in 20 Ländern – eine weltweite Community, deren Ziel die Beschleunigung der Share Economy ist. Rund 50 Events hat die Gruppe bislang organisiert, 30 so genannte Connectors trommeln aktiv für das Thema in ihren Regionen, für das Online-Magazin ouishare.net schreiben über 70 Autoren auf französisch, englisch und spanisch. Die deutsche Schwester dieser Bewegung kennt ihr bereits: kokonsum.org. Für Deutschland als Connector im Einsatz ist Thomas Doennebrink. Seine Region: Berlin. Dort organisiert er unter anderem Workshops bei der Mobile-Konferenz MLOVE oder die OuiShare Tour Deutschland.

Thomas Doennebrink: "Vorne das das Labor Berlin" (Foto: ouishare)

Thomas Doennebrink: “Vorne das Labor Berlin” (Foto: ouishare)

Welchen Stellenwert hat Deutschland in der Share Economy? Deutschland steht hinter Italien, Belgien, Spanien und vor allem Frankreich – was die Anzahl und Aktivität der Mitglieder bei OuiShare angeht. In Deutschland gibt es zunehmend auch eine Vielzahl von startups, die sich auf den Feldern der Collaborative Economy bzw. Consumption tummeln, aber es wird vielen erst jetzt bewusst, dass sie und ihr Unternehmen Teil eines Wertewandels sind. Allerdings rasant, wie ich an Medienresonanz und Kontaktanfragen ablese.

Deutschland: ein Entwicklungsland der Share Economy? Es scheinen mir nicht einzelne Länder, sondern bestimmte Regionen hervorzustechen. Das liegt am lokalen Charakter des Tauschens, den örtlichen Traditionen und den wirtschaftlichen, sozialen und vielleicht auch ökologischen Gegebenheiten. Wenn national betrachtet, könnte man sagen: Deutschland ist zum Beispiel führend bei Mobilität, hier existiert eine längere Tradition der Mitfahrgelegenheiten und des Car Sharings. BMW und Daimler beschleunigen das, auch die Bahn. Regional betrachtet gilt für Deutschland: vorne das Labor Berlin, gefolgt von Hamburg, München, Stuttgart und Köln/Ruhrgebiet. Diese Städte sind daher die Stationen unserer OuiShare Tour Deutschland im Oktober.

Positive Beispiele aus anderen Ländern? Aus Istanbul höre ich, dass seit den GeziPark-Protesten die Sharing Economy explodiert und sich in vielen Stadteilen Sharing-Bazare entwickeln, vielleicht Ausdruck des gemeinschaftsstiftenden Charakters der Share Economy. Hotspots außerhalb Europas sind Kalifornien, dort die Region San Fransisco. Dann Seoul, wo der Bürgermeister Park Won-Soon ehrgeizige Pläne verfolgt, die Metropole zur Modellstadt des Sharings zu entwickeln.

Und wo funktioniert es noch gar nicht? Sharing setzt Kommunikation, Interaktion und Vertrauen voraus. Die Collaborative Economy funktioniert dort weniger, wo Menschen nicht gewohnt sind oder es verlernt haben, direkt miteinander zu kommunizieren – sowie sich gegenseitig misstrauen.  Umgekehrt gilt die Faustformel: Jüngere, umweltbewusstere und mobilere Menschen neigen eher zum Teilen. Die Treiber sind das Internet, die Medien, Smartphones und Vernetzung. Menschen, die hierzu keinen Zugang haben, werden langsamer erreicht. Förderlich sind auch Bevölkerungsdichte, Knappheit von Ressourcen oder der Umstand, wie ungenutzt Güter sind.

Außerdem? Wichtig ist auch: Befindet sich ein Land gerade im Konsumrausch oder ist eine materielle Sättigungsgrenze erreicht? Suchen die Menschen dort nach einem Sinn und Werten hinter den materiellen Dingen?

Welchen Branchen werden länderunabhängig reüssieren? Viel Musik scheint mir im Bereich P2P Money Sharing zu liegen, der Kredit von Mensch zu Mensch. Obwohl es spannend wird, ob, wann und wie die Bankenlobby dagegen vorgehen wird. Auch interessant ist, was sich im Bereich der Bildung in Form von Free Open Online Education und Open Lectures bewegen wird. Aus Gesprächen mit Beratern von Universitäten weiß ich, dass da viele Bildungseinrichtungen meinen, darauf nicht reagieren zu müssen. Vor allem hier in Deutschland.

     

3 Gedanken zu „“Suchen die Menschen nach einem Sinn hinter den materiellen Dingen?”

  1. Michel

    Rang: Co-Worker

    Die deutschen Universitäten könnten sich ruhig einmal ein Beispiel an den Amerikanern nehmen. Die stellen nämlich schon seit Jahren allen Interessierten kostenlose Inhalte zur Verfügung. Natürlich handelt es sich dabei nicht um komplette Vorlesungen. Wer aber ein wenig sucht kann zum Beispiel über iTunes U aus einem riesigen Angebot an Einführungsveranstaltungen, öffentlichen Vorträgen oder Kommentaren zu aktuellen Themen wählen. Dadurch hat jeder die Möglichkeit, am Wissen der jeweiligen Professoren und Studenten teilzuhaben. In Deutschland wird es aber wohl noch ewig dauern bis sich die Universitäten einem breiten Publikum öffnen.

  2. Agnelia

    Rang: Share-Starlett

    Meiner Meinung nach sind auch ländliche, eher konservative Regionen schwerer für Sharing zu begeistern, als Städter. In kleinen Orten kommt man da vermutlich eher durch Connections zu seinen Teil-Gütern als durch Onlineplattformen… Und da werden – obwohl sicher großes Potential da wäre – vermutlich auch die Autobesitzer so schnell noch nicht abnehmen, da der eigene Wagen – leider – immer noch ein Statussymbol und ein notwendiges Fortbewegungsmittel ist. Schon alleine wegen fehlendem öffentlichen Verkehr.

  3. mmakar

    Rang: Star-Co-Worker

    Ich möchte Michel recht geben: Es gab nur eine Vorlesung (zumindest soweit ich das mitbekommen habe) der von der Uni Köln via Lifestream überaupt für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Und das war als Noam Chomsky zwei Vorträge gehalten hat. In dem Fall kann es sich eine akademische Einrichtung natürlich nicht leisten, NICHT mal Aufzuzeichnen und öffentlich zu machen (und hat im Fall von jemandem wie Noam Chomsky natürlich Reputations-technisch Interesse daran, dass verbreitet wird welch toller Hecht nun an der Universität Gastvorträge hält). Insgsgesamt ist Deutschland auf jeden Fall sehr rückschrittlich in dieser Hinsicht!

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