Ein Reservat für Dealer und User? Bei "Land der Träume" sind über 3000 Trip-Berichte einsehbar. (flickr.com / Schockwellenreiter / CC-BY-SA)

Ein Reservat für Dealer und User? Bei "Land der Träume" sind über 3000 Trip-Berichte einsehbar. (flickr.com / Schockwellenreiter / CC-BY-SA)

www.land-der-traeume.deShare deine Rausch-Erfahrung!

Göttliche Wesen und riesige Spinnen: Bei „Land der Träume“ teilen Drogen-Konsumenten ganz offen ihre Trip-Erfahrungen und setzen sich mit Wirkstoffen und Effekten auseinander. Der Share-Gedanke mal anders.

“Ich genoss dieses wunderbare vibrierende und elektrisierende Gefühl, welches in einer nicht für möglich gehaltenen Intensität über meinen Körper herfiel. Doch nun erweiterte sich die Wirkung um etwas Unbeschreibliches. Alles um mich herum zerlegte sich. Zuerst die Einzelteile des Zimmers: Die Kästen, Wände, die Decke wurden weggeschoben. (…) Als das leere Universum in seiner Reinform vor mir war, nahmen mehrere göttliche Wesen, die eine Art von ‘Architekten des Universums’ darstellten, mit mir Kontakt auf.”

Was klingt, wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Drehbuch, sind die realen Erlebnisse eines Users, der sich “Psy Wordex” nennt. Es ist ein Trip-Bericht über seine Erfahrungen mit Ketamin, eigentlich ein Pferde-Betäubungsmittel. Unter Drogenkonsumenten allerdings eine beliebte psychedelische Droge. Viele Berichte handeln von solchen Nahtod-Erfahrungen.

Psychodelische Community: 2814 Trip-Berichte

Psy Wordex hat seine ganz persönlichen Erlebnisse mit der Droge auf der Internetseite “Land der Träume” veröffentlicht, deren Mitglieder sich als “psychodelische Community” begreifen. Über 25.000 sind es laut eigenen Angaben. Im Impressum steht eine Kleinstadt in den Niederlanden. Neben Informationen über Wirkstoffe oder Nachweisbarkeit, bekommen Besucher auch Trip-Berichte aus erster Hand: von angemeldeten Usern. So schlüpfen Konsumenten in die Rolle von Tutoren für den Rausch.

2814 Trip-Berichte über kurzzeitigen Konsum sind online, hinzu kommen 328 Berichte über Langzeit-Konsum (Stand: 16. Oktober 2013). Die Palette reicht von Cannabis bis Heroin und hin zu Drogen, die der Normalbürger erst mal googeln müsste, darunter MXE oder 2C-D, oder die man zunächst gar nicht als Droge identifizieren würde, wie Fliegenpilze und Engelstrompeten. Man kann sich registrieren. Muss man aber nicht.

Menge, Set und Setting für den “Safer use”

Andreas M. (Name geändert) hat Erfahrungen mit Cannabis, LSD,  Ectasy, Ketamin und verschiedenen sogenannten Designer-Drogen gemacht, die erst in den Clubszenen in Großbritannien oder Holland auftauchen, später dann auf Tanzflächen in München oder Berlin feilgeboten werden. Wenn er Land der Träume nutzt, “dann aus Neugierde auf die Wirkung mir unbekannter Substanzen, um herauszufinden, ob sich der Konsum lohnt”, sagt er. “Wenn sich herausstellt, dass die Wirkung gut sein könnte, folgen Tripberichte, um sich zu informieren, welche Menge, Set und Setting das richtige für meinen Konsum wären”. “Safer use” nennt er das.

Ein anderer Konsument, Markus Z. (Name geändert), setzt auf seine eigene Erfahrung und nicht auf die anonymer User im Internet. Auf die Frage, ob ihn Trip-Berichte bei Land der Träume schon abgeschreckt haben, sagt er: “Da Drogenerfahrungen grundsätzlich etwas sehr subjektives sind, darf man sich auch nicht zu viel aus Negativ-Berichten machen.” Z. ist sich sicher: “Wie bei so vielem macht die Dosis das Gift”.

Medikament DHM: Purer Horror

Diese Negativ-Berichte, wie sie Z. nennt, sind in der Szene als Horror-Trips bekannt. Bei Land der Träume gibt es eine Vielzahl davon. “NewHolland” etwa schreibt über seine Erfahrungen mit DHM, einem Medikament, das den Naturstoff Histamin blockt, der eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen spielt. Als Droge konsumiert hingegen starke Halluzinationen auslösen kann: “Kurz bevor ich schlafen wollte, traute ich meinen Augen nicht. Ich schaute (…) an die Decke und da war eine Spinne, die war zuerst eine kleine schwarze Kreuzspinne und auf einmal wurde sie so riesieg wie ein Auto (…) und kam auf mich zu. Das war der pure Horror.” Der Share-Gedanke mal anders.

     

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